BÜRGERVORSCHLÄGE

Neue Brücke in Koblenz: Diese Namen stehen zur Wahl

Baustelle einer neuen Geh- und Radwegbrücke.

Die Geh- und Radwegbrücke zwischen Rauental und Goldgrube erstreckt sich nun über ihre volle Länge von 444 Metern. Bildquelle: Felix Gras/Stadt Koblenz

Die neue Brücke zwischen Goldgrube und Rauental in Koblenz soll nach einer Frau benannt werden. Ein Gremium hat drei Vorschläge gemacht, die Bürger hatten andere Favoriten. Jetzt entscheidet der Stadtrat.

Julian Weberskirch Von
Julian Weberskirch

Die neue Geh- und Radwegbrücke zwischen der Koblenzer Goldgrube und dem Rauental bekommt bald einen offiziellen Namen. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat am Donnerstag, 12. November. Zur Wahl stehen drei Frauen, deren Schicksale eng mit der Stadt verbunden sind: Anna Speckhahn, Susi Hermans und Selma Jordan. Das geht aus einer Beschlussvorlage der Verwaltung hervor.

Bürger favorisierten geografische Namen

Der Entscheidung ging eine Bürgerbeteiligung voraus, bei der zwischen Juli und August insgesamt 262 Namensvorschläge bei der Stadt eingingen. Wie aus der veröffentlichten Liste hervorgeht, favorisierten viele Koblenzer eine Benennung mit geografischem Bezug. Besonders beliebt waren Kombinationen der beiden Stadtteile wie „Goldtalbrücke“ oder „Rauengoldbrücke“. Auch kreative Vorschläge wie „Brigitche Bridge“, in Anlehnung an das Koblenzer Original Brigitte Karbach, wurden eingereicht.

Der zuständige Arbeitskreis für Straßenbenennung entschied sich jedoch bewusst gegen die mehrheitlichen Vorschläge aus der Bevölkerung. Stattdessen, so die Begründung, wolle man gezielt eine Frau aus den eingereichten Vorschlägen ehren, da weibliche Persönlichkeiten bei der Benennung von Straßen und Plätzen in Koblenz bislang unterrepräsentiert seien.

Auch in unserer Merkurist-Umfrage waren Kombinationen der Stadtteilnamen wie „Goldtal-Brücke“, „Rauengold-Brücke“ und Namen bekannter Koblenzer Persönlichkeiten, etwa „Brigitte-Karbach-Brücke“ und „Rudi-Gutendorf-Brücke“ am beliebtesten.

Drei Frauen mit bewegender Koblenzer Geschichte

Aus den von Bürgern eingereichten Vorschlägen wählte das Gremium drei Frauen aus und legte eine Reihenfolge fest. An erster Stelle steht Anna Speckhahn (1883–1944). Die Gastwirtin aus dem Rauental äußerte sich wiederholt kritisch über das NS-Regime, wurde denunziert und starb im Konzentrationslager Ravensbrück. Die katholische Kirche hat sie als Märtyrin aus der Zeit des Nationalsozialismus in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Ein Stolperstein in der Moselweißer Straße erinnert an sie.

Auf dem zweiten Platz folgt Susi Hermans (1919–2013). Die gebürtige Gülserin war als Sozialarbeiterin und Politikerin tätig und saß mehr als 30 Jahre im rheinland-pfälzischen Landtag. Besonders bekannt wurde sie durch ihr jahrzehntelanges Engagement als Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen in Koblenz.

Als dritte Kandidatin schlägt der Arbeitskreis Selma Jordan (1887–1943) vor. Sie lebte mit ihrer jüdischen Familie in der Gutenbergstraße in der Goldgrube, bevor sie 1942 deportiert und ein Jahr später in Auschwitz ermordet wurde. Fünf Stolpersteine erinnern heute an das Schicksal der Familie.

Die endgültige Entscheidung über den Namen der neuen Brücke liegt nun beim Koblenzer Stadtrat.