Baumfällungen

Darum muss Koblenz in den nächsten Jahren hunderte Bäume neu pflanzen

In der umgestalteten Südallee wurden neue Bäume gepflanzt. Bildquelle: Merkurist.de

Koblenz hat in den vergangenen Jahren zu viele städtische Bäume gefällt und zu wenige ersetzt. Jetzt muss die Stadt hunderte Bäume pflanzen, um nicht gegen EU-Recht zu verstoßen.

Von
Dirk Hoeren

„Die Bilanz zwischen Baumfällungen und Neupflanzungen durch die Stadt ist seit Jahren negativ“, gibt der Eigenbetrieb Grünflächen und Bestattungswesen im Haushaltsplan 2027 unumwunden zu. So seien im Jahr 2024 insgesamt 570 Bäume gefällt, aber nur 218 neu gepflanzt worden. Im vergangenen Jahr fielen 316 Bäume der Motorsäge zum Opfer, während nur 179 gepflanzt wurden. 

Das Problem für die Stadt: Nach der EU Wiederherstellungsverordnung darf es 2030 im Vergleich zum Referenzjahr 2024 keinen Verlust an sogenannter Baumbeschirmung geben. Ab 2031 sollen sogar steigende Trends erreicht werden. Das heißt dann wohl für Koblenz, dass fast 500 Bäume gepflanzt werden müssten, nur um den Verlust in den beiden vergangenen Jahren auszugleichen. Und das könnte verdammt teuer werden. Laut Grünflächen-Amt kann das Herrichten eines Platzes für einen neuen Baum (sogenannte Baumscheibe) bis zu 30.000 Euro kosten. Dazu kommen rund 2000 Euro für die eigentliche Pflanzung. 

Nur 150.000 Euro für Baumplanzungen eingeplant

Im Haushalt des kommenden Jahres sind allerdings nur 150.000 Euro für Baumpflanzungen eingeplant. Die reichen wahrscheinlich nur für das Herrichten von fünf Baumscheiben, heißt es im Haushaltsplan. In den Folgejahren müsste der Betrag dann aber erheblich steigen. „In Koblenz soll die Trendumkehr jetzt eingeleitet werden, damit bis 2030 kein Nettoverlust gegenüber 2024 entstehen wird.“

Unter Druck gerät die Verwaltung auch durch die Bewohner. Denn die haben sich in einem Bürgerbegehren dafür ausgesprochen, die Baumschutzsatzung der Stadt wieder in Kraft zu setzen. Der Stadtrat hatte Ende März mit 30 Ja- und 24 Nein-Stimmen überraschend beschlossen, die Baumschutzsatzung auszusetzen, weil sie zu bürokratisch und nur schwer durchsetzbar ist. Nach der Satzung hätte die Stadt mit einer Art Baum-Polizei darüber wachen müssen, dass größere Bäume auch auf Privatgrundstücken nicht gefällt werden (Merkurist berichtete). 

Über die erneute Inkraftsetzung der Baumschutzsatzung sollen nun die Koblenzer in einem Bürgerentscheid im kommenden Jahr abstimmen. Tritt sie wieder in Kraft, müsste auch die Stadt bei künftigen Baumfällungen vorsichtiger vorgehen.