Koblenz: Vor 33 Jahren kehrte der Kaiser zurück ans Deutsche Eck

o-ha!0%
Mahnmal der Deutschen Einheit in den 1960er Jahren in Koblenz am Deutschen Eck

Mahnmal der Deutschen Einheit in den 1960er Jahren in Koblenz am Deutschen Eck. Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F011327-0025 / Ilgner, Gerhard Dr. / CC-BY-SA 3.0, Mahnmal der Deutschen Einheit, 1961, BY-SA 3.0

Kran-Aktion am Deutschen Eck

Heute vor 33 Jahren wurde die rekonstruierte Kaiser-Wilhelm-Statue auf ihren Sockel am Deutschen Eck gehoben. Fast 50 Jahre lang war das Koblenzer Wahrzeichen nach seiner Zerstörung kaiserlos.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck ist wohl eines der bekanntesten Koblenzer Wahrzeichen und zieht jährlich zahlreiche Touristen an. Was viele jedoch nicht wissen: Für knapp ein halbes Jahrhundert stand auf dem Sockel des Denkmals kein Kaiser. Erst heute vor 33 Jahren (2. September 1993) kehrte die Reiterstatue wieder an ihren Platz zurück.

Eingeweiht wurde das insgesamt 36 Meter hohe Monument am 31. August 1897. Es sollte Kaiser Wilhelm I. für seine Rolle bei der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 ehren. Sein Enkel, Kaiser Wilhelm II. , wählte den Standort Koblenz drei Jahre nach dem Tod seines Großvaters selbst aus. Ein entscheidender Grund soll der persönliche Bezug des ersten deutschen Kaisers zu Koblenz gewesen sein. Von 1849 bis 1857 lebte Wilhelm I. gemeinsam mit seiner Frau Augusta in der Stadt als Militärgouverneur.

Vom Denkmal zum Mahnmal

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Reiterstatue von einer amerikanischen Artilleriegranate getroffen und zerstört. Seit Jahren hält sich in Koblenz das Gerücht, das Metall sei von Elektrofirmen eingeschmolzen und zu Oberleitungsdrähten für die Koblenzer Straßenbahn (1887-1967) verarbeitet worden. Lediglich der Kopf des Originals blieb erhalten und kann heute im Koblenzer Mittelrhein-Museum besichtigt werden.

Bei Luftangriffen im zweiten Weltkrieg wurde die Reiterfigur des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zerstört
Bei Luftangriffen im zweiten Weltkrieg wurde die Reiterfigur des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zerstört. Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 146-1970-088-52 / CC-BY-SA 3.0, Zerstörtes Reiterstandbild, 1945, BY-SA 3.0

Bis zum Ende der 1950er Jahre gab es etliche Vorschläge für eine Neugestaltung des Deutschen Ecks, die eine Wiedererrichtung des Kaiserdenkmals ausnahmslos ausschlossen. Stattdessen widmete Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) den leeren Sockel im Mai 1953 zum Mahnmal der Deutschen Einheit um. Am Sockel wurden die Wappen der damaligen deutschen Bundesländer angebracht und auf seiner Spitze wehte fortan die Bundesflagge.

Die umstrittene Rückkehr des Kaisers

Über Jahrzehnte stand eine mögliche Rekonstruktion immer wieder auf der Tagesordnung der Koblenzer Lokalpolitik. Den entscheidenden Anstoß gab schließlich eine private Initiative: Aus Anlass seines 60. Geburtstages und seines 30. Hochzeitstages verpflichtete sich der Verleger Dr. Werner Theisen 1987 gemeinsam mit seiner Frau Anneliese notariell dazu, der Stadt Koblenz ein rekonstruiertes Reiterstandbild zu schenken.

Knapp ein Jahr wurde die fertige Rekonstruktion im Koblenzer Rheinhafen gelagert. Auf dem Bild Marc Gorka und ein teil der rekonstruierten Kaiser-Statue.
Knapp ein Jahr wurde die fertige Rekonstruktion im Koblenzer Rheinhafen gelagert. Auf dem Bild Marc Gorka und ein teil der rekonstruierten Kaiser-Statue. Bildquelle: Marc Gorka, privat

Zunächst lehnte das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer des Geländes das Geschenk ab, da das Mahnmal der Deutschen Einheit erhalten bleiben sollte. Später nahm die Landesregierung das Geschenk jedoch an, da das Mahnmal mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 seine ursprüngliche Bedeutung verloren hatte.

Am 2. September 1993, dem historischen Sedantag (Anm. d. Red. Inoffizieller Nationalfeiertag im Deutschen Kaiserreich, der an die Schlacht von Sedan und die Kapitulation der französischen Armee sowie von Kaiser Napoleon III erinnerte), wurde die Rekonstruktion schließlich mit dem zu der Zeit größten fahrbaren Gittermastkran Europas auf den Sockel gehoben. Die Einweihung des wiederhergestellten Denkmals folgte schließlich rund drei Wochen späte am 25. September 1993.

Das wiederhergestellte Reiterstandbild, 1993
Das wiederhergestellte Reiterstandbild, 1993. Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei