In einem großangelegten Fall von Kreditkartenbetrug hat das Landgericht Koblenz die Haftbefehle gegen neun Verdächtige aufgehoben. Das berichtet der SWR unter Berufung auf das Gericht. Die Beschuldigten, die teilweise bis zu elf Monate in Untersuchungshaft saßen, sind nun ohne Auflagen wieder auf freiem Fuß.
Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hatte den neun Personen vorgeworfen, einen Schaden von mehr als 300 Millionen Euro verursacht zu haben. Sie sollen zwischen 2016 und 2021 über gefälschte Webseiten, die etwa Porno-, Dating- und Streamingdienste anboten, an Kreditkartendaten gelangt sein.
Mit den Daten von Geschädigten aus 193 Ländern sollen die Verdächtigen mehr als 19 Millionen Schein-Abos abgeschlossen haben. Die monatlichen Abbuchungen hielten sie dabei bewusst klein und versahen sie mit unverständlichen Verwendungszwecken. Auf diese Weise sollten die mehr als vier Millionen betroffenen Kreditkarteninhaber die Abbuchungen übersehen.
Gericht: Ermittlungen nicht ausreichend
Das Landgericht entschied nun, die im August erhobene Anklage nicht zuzulassen. Nach Ansicht der Richter konnte kein dringender Tatverdacht wegen Computerbetrugs festgestellt werden. Es sei nicht ausreichend ermittelt worden, wie genau die Verdächtigen an die Kreditkartendaten gekommen sind und wie sie diese verwendet haben. Da weitere Ermittlungen voraussichtlich lange dauern würden, könnten die Haftbefehle nicht aufrechterhalten werden.
Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, Beschwerde gegen die Aufhebung der Haftbefehle einzulegen. Die mehrjährigen Ermittlungen hatten ihren Ursprung in Montabaur im Westerwald. Vor knapp einem Jahr führte eine internationale Razzia unter dem Namen „Operation Chargeback“ zur Festnahme der Verdächtigen.



Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!